Sprechen. Schweigen. Sein.

Raum für NichtWissen in Bonn-Oberkassel

Die Corona-Krise hat uns alle in einen außerordentlichen Zustand versetzt. Das NichtWissen ging uns plötzlich alle an und bestimmte unser Leben.

Eigentlich geht uns das NichtWissen auch weiterhin viel an, doch die Schritt-für-Schritt-Lockerungen in das „normale“ Leben bergen die Gefahr, sich wieder an dem zu orientieren, was vorher war. Denn nur das, was wir bereits kennen, bezeichnen wir gerne als „Sicherheit“. Die meisten von uns wollen diese Sicherheit, um im Leben eine vertraute Orientierung zu haben.

Doch es sind deutlich unwägbare Zeiten angebrochen. Dafür offen zu bleiben und das NichtWissen als wertvollen Lebensaspekt zu bejahen, ist ein Schritt hin zu mehr Ehrlichkeit mit sich selbst und mit anderen.

Wir brauchen ungefüllte Formen des Zusammen-Seins, um das NichtWissen als Quelle von Wissen in unser Leben einzuladen.
Ein heiles Leben und Zusammenleben braucht Zeiten, in denen es um nichts geht, in denen wir einfach nur da sind, in denen wir uns menschlich fühlen (beseelt körperlich, nicht digital), in denen wir schlichtes Zusammensein mit anderen erfahren, in denen wir einem gemeinsamen NichtWissen Platz geben, uns darin aufspüren und nichts damit zu machen brauchen. Wir brauchen Gelegenheiten, uns damit im Kreis niederzulassen und Gemeinschaft zu spüren, auch wenn wir kaum mehr wissen, wie das geht.

Das Konzept dieses Angebotes ist die größtmögliche Konzeptlosigkeit gepaart mit dem Wunsch, im Wesentlichen Platz zu nehmen. Mit wenigen Kommunikations-Regeln an der Hand tauchen wir ein in ein gemeinsames Zeitfenster. Darin haben wir die einzigartige Gelegenheit zu erfahren, was geschieht, wenn wir uns den freien Raum schenken.

Die Regeln

  • Mit einem Wecker werden zwei Zeitstunden abgesteckt.
  • Uhren und Handys werden weggelegt, ausgeschaltet.
  • Es gibt keine Leitung.
  • Die Teilnehmer sitzen, liegen, nach Belieben.
  • Die Teilnehmer sind einfach „nur“ da.
  • Sprechen ist erlaubt in einer Weise, in der jeder nur von sich selber spricht und möglichst im jeweiligen Moment bleibt. Es werden keine Geschichten erzählt, nichts aus der Vergangenheit und auch nichts, was mit der Zukunft zu tun hat.
  • Schweigen ist genauso erlaubt.

Mit diesen Regeln spannt sich ein Raum auf, in dem es möglich wird, aufmerksam für Wahrnehmung und Impulse im Hier und Jetzt zu werden. Was daraus entstehen kann, bleibt zu entdecken: ob still, verspielt, gewagt, schüchtern, ängstlich… Das Leben ist vielfältig. Wenn wir einfach nur da sein dürfen, wie wir uns in dem jeweiligen Moment empfinden, entsteht ein JETZT… und darin vielleicht eine interessante WAHR-NEHMUNG.

Persönliche Anmerkung zu diesem außermusikalischen Angebot

Als improvisierende Musikerin habe ich viele Erfahrungen mit dem Raum für NichtWissen auf der musikalisch/künstlerischen Ebene sammeln dürfen.
Diese Erfahrungen lehren mich immer wieder neu, wie wertvoll es ist, sich dem NichtWissen zu stellen, bis „es“ sich ereignet bzw. bis sich der vermeintlich leere Raum fast wie von selber füllt.
Diesen Lebens-Zustand geschehen zu lassen, ohne das Werdende durch Planung oder Kontrolle zu stören, kann herausfordernd sein und braucht manchmal einen langen Atem. Wenn wir uns darin miteinander verbinden, also unterstützen, werden sich unsere jeweils einzelnen Atemzüge hoffentlich zu einem kraftvollen Aufwind verwandeln.


Nächster Termin: Do, 1. Oktober 2020 (19:15 bis 21:45 Uhr)
Teilnahme nur mit verbindlicher Anmeldung bis Mo, den 28.9.2020.
Teilnahmebetrag: 20 Euro

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