Freies Spiel mit und ohne Regeln

Musikalische Improvisation ist ein wesentlicher Bestandteil meines Klavierunterrichtes und meiner Gruppenmusik-Angebote. Deshalb möchte ich an dieser Stelle einige Aspekte zu diesem Thema beschreiben.

Die Fähigkeit zur Improvisation verstärkt das Gefühl, Klavier spielen zu können.
Improvisation ist ein Spiel. Töne, Motive oder Klänge werden gedreht, gewendet, verändert, weitergeführt, auseinandergenommen und neu zusammengesetzt, vielleicht auch verworfen. Sich da hinein zu vertiefen, allein, zu zweit oder in einer Gruppe, führt die Spielenden schnell zu elementaren Fragen des Musizierens:

Was höre ich?
Was spiele ich?
Wie spiele ich?
Bin ich gerade einverstanden mit dem, was da klingt?
Bin ich im Kontakt? Mit mir, mit meinem Spielpartner, mit der Musik, mit dem Instrument?
Spiele ich das, was ich will? Oder passe ich mich an?
Wie entsteht Verbindung? Zu mir, zur Musik, zum Instrument, zum Spielpartner?
Was ist ein musikalischer Gedanke?
Wie kann ich ihn umsetzen?
Wie orientiere ich mich innerhalb einer Improvisation?
Und wenn es nicht so klingt, wie ich dachte?

Es gibt verschiedene Ansätze für Improvisation: die sogenannte „freie“ Improvisation, die konzeptionelle Improvisation und die harmonische Improvisation.

„Freie“ Improvisation

„Freie“ Improvisation lädt dazu ein, ohne eine vereinbarte Tonart oder festgelegte Regeln zu spielen. Darin ist forsches Drauf los ebenso möglich wie ein vorsichtig lauschendes Herantasten und andere Spielweisen.
Die „freie“ Improvisation ist ein purer Weg innerhalb des Musizierens, der direkt mitten ins musikalische Geschehen führt. Dabei legt das Spiel Themen bzw. Fragestellungen frei. In der Reflektion können Aspekte dieser Inhalte ausdifferenziert werden. Mit ihnen wird es möglich, Spielregeln zu verfassen. Auf diese Weise kann auf eine „freie“ Improvisation eine Konzept-Improvisation folgen.

Konzept-Improvisation

Diese Form der Improvisation ist geprägt von Spielregeln. Diese können sehr verschieden aussehen.

Beispiele für Spielregeln

  • Eine bestimmte Anzahl von Tönen ist erlaubt.
  • Spiele von sehr leise nach sehr laut.
  • Schlage möglichst viele Töne gleichzeitig an, und lasse sie verklingen.
  • Spiele eine Bewegung: z.B. hüpfen, schleichen
  • Spiele ein Stück mit einem Titel, den Du vorher ausdenkst.
    Es gibt unendlich viele Arten, Spielregeln festzulegen und miteinander zu kombinieren oder abwechseln zu lassen. Auf diese Weise entstehen eindrucksvolle Musikstücke aus dem Stehgreif. Sie in etwa wiederholbar zu machen, schult das Spiel-Bewußtsein.

Improvisation auf Basis von Harmonielehre

Tonleitern und Akkorde sind nicht nur zum Fingertraining da.
Mit ihnen können viele Improvisationsaufgaben gestellt werden, die gleichzeitig das Harmoniebewußtsein und die Spieltechnik fördern.
Mit den harmonischen Grundlagen von Musik spielerisch und improvisierend umzugehen, lehrt die Gesetzmässigkeiten der Harmonielehre auf einfache und lebendige Weise.

Improvisation schult das Hinhören beim Spiel, was gar nicht so selbstverständlich ist.
Um so mehr gehört wird, desto mehr kann gestaltet und in Form gebracht werden.

Hörend spielen – Spielend hören